Klinische Forschung

Kompetenznetz Herzinsuffizienz, Teilprojekt

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bedeutung von Herzinsuffizienz, Hormonstatus und psychosozialen Faktoren für die Prognose nach aortocoronarer Bypass-Operation

Frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen, GIM und CCR, CharitéUniversitätsmedizin Berlin, in Kooperation mit Deutsches Herzzentrum Berlin (DHZB)

Leiterin: Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek E-Mail

Zusammenfassung

Hintergrund:
Es ist bekannt, dass Frauen nach aortocoronarer Bypass-Operation (ACVB) einen ungünstigeren Verlauf haben als Männer. Dabei sind die geschlechtsspezifischen Prädiktoren des kurz- und langfristigen Verlaufs nach ACVB insgesamt noch unklar. Wir haben eine retrospektive Analyse der Frühmortalität an 17528 Patienten/innen durchgeführt und eine signifikante Übersterblickeit der Frauen gefunden, die das höchste Ausmass bei den jüngeren Frauen erreichte. Mit den >40 klinischen Variablen, die in der Qualitätskontrolle erfasst werden, liessen sich die Geschlechterunterschiede im Verlauf nicht erklären. Unterschiede zwischen Frauen und Männern ergaben sich für zahlreiche klinische Parameter, aber die Mehrzahl beeinflusste das Risiko in vergleichbarem Ausmass. Eine Ausnahme bildeten die linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF), präoperativer Schock, und Notfalloperation, für die sich geschlechtsspezifische Unterschiede in ihrer Assoziation mit der Mortalität zeigten. Dabei wiesen 33,5 % der Frauen und 31,5 % der Männer eine deutlich eingeschränkte LVEF auf. Klinische Symptome der Herzinsuffizienz waren bei Frauen häufiger. Weitere Risikofaktoren könnten in der geschlechtsspezifisch unterschiedlichen myokardialen Adaptation an Last oder Ischämie liegen oder in der unterschiedlichen Größe der Koronararterien. Hormone modifizieren das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen; bei Männern fehlen entsprechende Daten. Der Verlauf nach ACVB und bei Herzinsuffizienz wird wesentlich durch psychosoziale Faktoren (Depression, soziale Unterstützung) beeinflußt.

Hypothesen und Ziele: Wir postulieren, dass

  • 1. geschlechtsspezifische Faktoren die kardiovaskuläre Mortalität und Morbidität ein Jahr nach ACVB-Operation wesentlich mitbestimmen und
  • 2. vor allem geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bedeutung und den Mechanismen der Herzinsuffizienz, hormonelle und psychosoziale Faktoren den Verlauf nach ACVB wesentlich beeinflussen. Aus den Daten sollen Grundlagen für die Verbesserung des Verlaufsmanagements gewonnen werden.

Methoden:

Es sollen in einer prospektiven Studie innerhalb von 3 Jahren ca 6000 konsekutive Patienten/innen nach ACVB-Operation im DHZB erfasst und in diesem Projekt über 1 Jahr verfolgt werden (wobei auch die Grundlagen für eine spätere Langzeitverfolgung geschaffen werden). Neben den routinemässig erfassten klinischen Parametern werden neue Variablen untersucht und auf ihre Relevanz für den Verlauf und ihre Interaktion getestet. Dazu gehören das Vorliegen einer diastolischen Herzinsuffizienz (Koop. mit PD Dr. B. Pieske, TP 7),  der Einfluss der hormonellen Vorgeschichte und psychosozialer Variablen.

Bedeutung:

Wir postulieren, dass sich aus diesem Projekt spezifische Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Mechanismen und Bedeutung der Herzinsuffizienz vor und nach ACVB Operationen ergeben, die das Management von Frauen und Männern verbessern. Diese betrifft zuerst die Behandlung der Frauen mit Herzinsuffizienz und den Umgang mit hormonellen und psychosozialen Risikofaktoren in der perioperativen Situation und wird in einem späteren Stadium auch den Männern zugute kommen.